Kölner Autohandel leidet unter Zulassungsstau

Der Bearbeitungsstau in der Kfz-Zulassungsstelle Köln ist immens. Autohändler und ihre Kunden warten aktuell bis zu vier Wochen auf die Fahrzeugzulassung. In einem offenen Brief fordert die Kfz-Innung Köln – unterstützt von Kölner Automobilhändlern und Zulassungsdiensten – Oberbürgermeisterin Henriette Reker auf, das Thema zur Chefsache zu machen.

„Die durch die Behörde verursachten Probleme treffen das Kfz-Gewerbe mitten in einer Zeit, in der die Betriebe auf eine Erholung der wirtschaftlichen Lage angewiesen sind“, mahnt Obermeister Rolf Mauss. Was für den Autokunden zu Unverständnis und großer Verärgerung führt, ist für das Kölner Kfz-Gewerbe ein hoher finanzieller und Imageschaden.

Mitte August hat die Innung ein Dutzend Kölner Autohändler nach dem aktuellen Stand und den Konsequenzen des Bearbeitungsstaus befragt. Wenn das Autohaus die Fahrzeugzulassung über eigene Mitarbeiter abwickelt, müssen sich diese – wie Privatpersonen auch – um einen Termin bei der Kfz-Zulassungsstelle Köln bemühen. Das kann über zwei Wochen dauern. Fast alle befragten Autohäuser beauftragen stattdessen Zulassungsdienste. Dann dauert der Zulassungsprozess um die zehn Tage, er beansprucht aber auch regelmäßig zwei bis drei Wochen oder sogar 30 Tage. Zulassungsdienste wie Premium Zulasser, Kroschke und Marisol bestätigen diese Zahlen und befürchten, dass sich die Lage weiter verschlechtert. Mit Mehrwertsteuer-senkung und anderen Kaufanreizen erhalten sie deutlich mehr Aufträge, welche die Laufzeiten zusätzlich verlängern.

Für Kfz-Unternehmer ist das ein wirtschaftliches Desaster, weil sie ihr Geld vom Kunden erst bekommen, wenn die Fahrzeuge auch zugelassen sind. Das sind Millionenbeträge, die der Händler dann zwischenfinanzieren muss. Zum Zeitpunkt der Umfrage warten allein in den befragten zwölf Autohäusern 220 Pkw, 43 Nutzfahrzeuge und 16 sonstige Fahrzeuge (Wohnmobil, Motorrad etc.) auf die Zulassung in der Kfz-Zulassungsstelle Köln. Durch den Rückstand sind in Summe über 7,7 Millionen Euro Kapital allein in den befragten Unternehmen gebunden.

Der Bearbeitungsstau bringt noch weitere negative Folgen für die Autohändler mit sich. Am meisten bemängeln sie die fehlende Planungssicherheit für das Geschäft. Auf einer Skala von 1 (trifft gar nicht zu) bis 10 (trifft vollumfänglich zu) bewerten sie diese mit 9,3. Damit einher gehen der Imageschaden und Vertrauensverlust beim Kunden (8,3). Gewerbliche Kunden erleiden überdies wirtschaftliche Schäden, weil sie auf eine zeitgerechte Zulassung angewiesen sind (8,1). Hinzu kommen der weitere finanzielle Schaden der fabrikatsgebundenen Autohäuser durch Verfehlen von Volumenzielen (6,8) und sogar durch Rücktrittserklärungen (5,6) vom Fahrzeugkauf. Einige bewerten die Folgen sogar als existenzbedrohend für ihr Unternehmen (5,5) respektive sehen zumindest Arbeitsplätze in Gefahr (3,8).

Mit insgesamt rund 185 Autohäusern und freien Kfz-Werkstätten bildet die Momentaufnahme der Blitzumfrage nur einen Bruchteil der Problematik ab. Neben Neuzulassungen und Besitzumschreibungen kommen weitere Vorgänge hinzu, die zu Verzögerungen im Ablauf führen, etwa beim Beantragen eines Kurzkennzeichens für eine Probefahrt oder für eine Überführungsfahrt.

Der Obermeister appelliert an die Stadt Köln, die Zulassungsstelle umgehend in den Normalbetrieb zurückzuführen. Mit der Corona-Krise habe sich zudem die Dringlichkeit des Themas Onlinezulassungen in Autohäusern erhöht. Im Rahmen des Projektes der elektronischen Fahrzeugzulassung „i-Kfz“ sollte die vollelektronische Zulassung zeitnah für den gewerblichen Bereich ermöglicht werden. Für die Mitgestaltung dieses Prozesses etwa durch Firmenkonten und Berechtigungen bietet die Kfz-Innung jede Unterstützung an.

Foto: Auto-Medienportal.Net/Rainer Strang

Presseanfrage stellen

Ungültige Eingabe
Ungültige Eingabe
Ungültige Eingabe
Bitte gültige E-Mailadresse eingeben
Ungültige Eingabe
Ungültige Eingabe
Ungültige Eingabe

© 2020 Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Köln